soukmagazine

Die gleichzeitige Stadt

Syrien will kein Schurkenstaat mehr sein. Es strebt eine Annäherung an den Westen an. Besonders rasch gelingt diese Öffnung in der Damaszener Altstadt: In den orientalischen Mikrokosmos mischen sich heute Kneipen, Internetcafés und Hotels. Doch was Touristen und Sprachstudenten gefällt, mag nicht jeder Bewohner der Altstadt.

Eine interaktive Reportage über den Wandel von Tradition und Moderne. Von Simon Kremer und Marc Röhlig

Muslimische Touristin in Damaskus' Altstadt

Es gibt Orte, an denen verdichtet sich etwas. Die Altstadt von Damaskus ist solch ein Ort. Sie gilt als die älteste durchgehend besiedelte Stadt der Welt und verkörpert den Orient wie keine zweite. Auf engstem Raum leben hier Menschen verschiedenster Konfessionen. Schmale Gassen, Jahrhunderte alte Häuser, Kirchtürme und Minarette prägen das Bild. Doch es wandelt sich: Immer mehr Kneipen, Internetcafés und Hotels siedeln sich in der Damaszener Altstadt an. Unter Sprachstudenten gilt es als schick, sich in der Altstadt einzuquartieren. Über 1000 studieren hier pro Semester – und hinterlassen ihre Spuren. Der einstige orientalische Mikrokosmos wird zur Herberge für die Welt.

Doch was Touristen und Sprachstudenten gefällt, mag nicht jeder Bewohner der Altstadt. Zu viel Moderne verdränge alte Traditionen, sagen Kritiker. Klassische Handwerksberufe sterben aus, weil sich die Jugend ihr Geld lieber im Tourismus verdient. In das Rufen der Händler mischt sich heute westliche Musik aus Lautsprechern. Syrien will die Öffnung. Bashar al-Assads Außenpolitik strebt danach, endlich das Stigma des Schurkenstaats loszuwerden. Mehr und mehr Studenten und Touristen genießen diese neue Offenheit. Die Syrer freuen sich über zahlende Kundschaft. Doch an der Altstadt geht das nicht spurlos vorbei.

Wandeln Sie auf unserer interaktiven Karte selbst durch die Altstadt. Treffen Sie in Videos, Fotostrecken und Audio-Erzählungen auf junge und alte Bewohner der Altstadt. Alle machen ihre eigenen Erfahrungen mit dem Wandel ihrer Heimat. Zum Starten der Karte einfach auf das Foto klicken – der Flash-Player öffnet sich in einem externen Fenster.

Interaktive Reportage: Der Wandel der Damaszener Altstadt

Marc RöhligAraber sind angenehm unkompliziert: Wer ein Interview führen will, marschiert einfach bis zum gewünschten Gesprächspartner durch und stellt sich vor. Es gibt dann Teerunden, lange Diskussionen und viele Freundschaftsbekundungen. Wesentliches – Diktatur sei dank – erfährt man aber nicht. Dazu bedarf es Geduld und noch einiger zusätzlicher Teerunden. Für die Recherche und Gespräche in der Damaszener Altstadt waren wir mehrere Wochen unterwegs. Die kleinen Gassen kennen wir nun auswendig, vom Tee haben wir noch nicht genug.

Schlagwörter: , , ,

4 Comments

Trackbacks

  1. CNN Journalist Award 2011
  2. Texten fürs Web » Blog Archive » Web-Reportage: CNN Journalist Award für “Die gleichzeitige Stadt”
  3. Die totale Entgrenzung - eine kleine Geschmacksprobe |
  4. Sehen, hören, erleben, schmecken, riechen, fühlen - die Multimediareportage für alle Sinne |

Artikel kommentieren..?