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Dresdens Weltkültürerbe

Als August der Starke, Kurfürst von Sachsen und König von Polen, als Sultan verkleidet zur Hochzeit seines Sohnes über die Elbwiesen vor Dresden reitet, ist Wien bereits von den Türken befreit. Der Erzfeind ist Furcht und Faszination zugleich. Doch woher kommt das mehr als 400-jährige Interesse am Orient? Eine Multimediareportage von Simon Kremer.

Was 1591 als kleine Kammer begann ist im März 2010 neu in Dresden erstanden. Die “Türckische Cammer” im Dresdner Residenzschloss ist ein einzigartiges Museum, das sich mit der wechselvollen Geschichte des Verhältnisses zwischen Orient und Okzident beschäftigt und versucht, die Spannung zwischen Faszination und Furcht zu ergründen.

Die wenigsten der knapp 600 Ausstellungsstücke sind dabei Beutestücke, obwohl die Sachsen selbst an der Befreiung Wiens von den Osmanen beteiligt waren. Die meisten der Schwerter, Prunkwaffen und Reitzeuge sind diplomatische Geschenke aus Istanbul – oder interpretierende Nachahmungen von dem, was man im 16. Jahrhundert unter “echt orientalisch” verstand. Denn allein die Geschenke reichten nicht aus, um dem extravaganten Lebensgefühl der Kurfürsten zu genügen. Schließlich mussten Opernaufführungen mit echten Kamelen inszeniert, die Wehrreform mit einem osmanischen Zeltlager bis zum Horizont dargestellt und eine Hochzeit mit türkischer Leibwache gefeiert werden.

Nach mehr als 20 Jahren Planung wurde die Sammlung Anfang des Jahres eröffnet. Eingetaucht in ein magisches Licht aus 1001 Nacht nimmt die Ausstellung den Besucher auch mit auf eine Entdeckungstour zu den Wurzeln der Türkenmode und macht deutlich, woher das Interesse am Orient kam, das uns bis in die heutige Zeit begleitet. Sie lädt auch ein darüber nachzudenken, wie sich unser Orientbild in den vergangenen 400 Jahren verändert hat.

Begeben Sie sich also auf eine interaktive Entdeckungstour und beginnen Sie einen virtuellen Rundgang durch die “Türckische Cammer”. Begleitet werden Sie von Kurator Holger Schuckelt, der vor 22 Jahren begann, die einzigartigen Stücke zu sichten und zu jedem Edelstein eine eigene Anekdote weiß.

Mehr Informationen finden Sie auch auf den Seiten der Staatlichen Kunstsammlung Dresden.

Beginnen Sie ihren Rundgang durch die Cammer, indem Sie auf die Grafik oder hier klicken. Oder schauen Sie sich die große “BIG PIC” – Fotogalerie mit ausgewählten Stücken an.

Dresdens Weltkültürerbe

Davon träumt man doch als Kind: Ein Museum – eine fremde Welt – einmal ganz für sich alleine haben. Abseits der Besucherströme durfte ich einen Nachmittag lang völlig frei fotografieren. Vorher gab es noch eine Führung des Menschen, der die Ausstellung kennt wie kein anderer. Der wohl intensivste Museumsbesuch bislang für mich.

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2 Comments

  1. Großartige Arbeit. Warum findet man so etwas kaum auf den Web-Seiten der Tageszeitungen?

  2. Das ist eine gute Frage, lieber Fan. Stellen wir uns auch häufig. Vermutlich wird es mit dem Arbeitsaufwand zu tun haben, den sich die meisten Redaktionen im Alltagsgeschäft nicht leisten können oder wollen.

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